Bischof sieht Nachbesserungsbedarf bei katholischer Friedensethik

Kriege wie in der Ukraine werden längst nicht mehr nur auf einem klar umgrenzten Schlachtfeld ausgefochten. Nicht nur deswegen braucht es nach Ansicht von Militärbischof Overbeck einen neuen Blick auf die Friedensethik.
Berlin/München (KNA) 16.02.2026


Angesichts von Drohnenkriegen und Cyberwar sieht der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck Nachbesserungsbedarf bei der katholischen Friedensethik.

„All die Grenzen, die wir für klar hielten, werden hinterfragt , sagte der Bischof von Essen. Um beim Militär und der dort eingesetzten Technologie zu bleiben: Nötig ist ein höheres Reflexionsniveau, damit die Soldatinnen und Soldaten wissen, was getan und was vor allen Dingen gelassen werden muss. Beispielhaft erläuterte Overbeck die Herausforderungen am Beispiel des Ukraine-Krieges. Als Russland vor vier Jahren die Ukraine überfiel, haben wir zunächst Grabenkämpfe und den Einsatz von Panzern gesehen, wie wir das aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg kannten. Inzwischen befinden wir uns in einem Drohnenkrieg, der aus der ganzen Ukraine ein Schlachtfeld macht. Hinzu kommt die Ausweitung des Krieges in die digitale Welt.

Zugleich hob der Bischof die Errungenschaften der katholischen Friedensethik hervor, deren Wurzeln ins 12. Jahr hundert zurückreichen. Aus der Tradition heraus habe es immer ein Recht auf Selbstverteidigung gegeben. Zugleich gilt, dass man alles tun muss, um den Krieg abzuwenden, und dass man während eines möglicherweise stattfindenden Krieges dazu verpflichtet ist, für eine Beendigung dieser Auseinandersetzung Sorge zu tragen, so Overbeck. Zum Begriff des gerechten Krieges haben die meisten heute eine nachvollziehbare innere Distanz, weil im Grunde genommen kein Krieg gerecht sein kann. Aber die Leistung von damals bestand darin, Konflikte einzuhegen. Angesichts der aktuellen Kriege und Konflikte seien zusätzliche Investitionen in die Rüstung unvermeidlich, fügte Overbeck hinzu.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Zugriff Europas auf Waffenarsenale nach dem Zweiten Weltkrieg konkret zur Sicherheit beigetragen hat, zunächst durch Abschreckung gegenüber der Sowjetunion, später gegenüber Russland.

Auf die Frage, ob er es für vertretbar hielte, wenn Kirchenbanken das Geld ihrer Kunden auch in Rüstungskonzernen anlegten, antwortete der Bischof: Man muss an dieser Stelle eine Güterabwägung vornehmen und wissen, mit welchem Ziel die entsprechenden Waffen eingesetzt werden. Dabei ist der Aufbau der Verteidigungsfähigkeit deutlich von bestimmten Rüstungsexporten zu unterscheiden. Aus einer solchen Güterabwägung kommen wir in so hochkomplexen Zeiten nicht heraus. Pazifismus allein könne die Konflikte nicht lösen, sagte Overbeck.

Der Kalte Krieg- bis hin zum NATO Doppelbeschluss der 1980er-Jahre- habe gezeigt, dass letztlich eine zugegeben merkwürdige, aber wirksame Kombination aus Dialog und Aufrüstung dazu beitrug, militärische Eskalationen zu verhindern. Angesichts der neuen Bedrohungen gebe es keine einfachen Antworten. Auch dann nicht, wenn reiner Pazifismus aus bester Absicht auf den Plan tritt.

 

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