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Max Tau zum 125. Geburtstag - Der erste Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels

Max wer? Der jüdische Autor und Verleger erhielt 1950 als erster den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Von Paula Konersmann KNA

Tief bewegt fühlte sich der Schriftsteller Hans Schwarz von einem Buch: „Glaube an den Menschen“ von Max Tau. Der jüdische Verleger war 1938 aus Deutschland nach Norwegen geflüchtet, wo er bis zum Beginn der deutschen Besatzung als Lektor arbeitete. Sein Buch erschien zehn Jahre nach seiner Flucht.

Am 19. Januar jährt sich Taus Geburtstag zum 125. Mal. Schwarz sah in Tau einen „Botschafter zwischen zwei Welten“, der die jüngste Geschichte in einer Weise beschrieb, zu der damals allerhand Mut gehörte. „Leider waren die Menschen bei uns damals noch nicht so weit, sich davon überzeugen zu lassen“, schrieb Schwarz. Ihm gelang es jedoch, einige Verleger zu überzeugen, dass Tau einen Friedenspreis verdient habe. Die deutschen Verleger mussten ihn stiften, so Schwarz, und damit einen Akt guten Willens gegenüber der Außenwelt begehen. Tau erhielt den Friedenspreis Deutscher Verleger am 3. Juni 1950 in einem Privathaus bei Hamburg. Ein Jahr später wurde die Auszeichnung umbenannt: Bis heute ist sie als Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekannt.

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Kalenderblatt: Wannseekonferenz

Vor 80 Jahren fand die Wannsee-Konferenz in Berlin statt

Als „Wannsee-Konferenz“ wird die Besprechung über die Endlösung der Judenfrage, die am 20. Januar 1942 in einer Villa am Wannsee in Berlin stattfand, bezeichnet. Die Besprechung dauerte etwa 90 Minuten; das Protokoll führte Adolf Eichmann. Die Konferenz gilt als wichtige Wegmarke für den von den Deutschen in Gang gesetzten Völkermord an den Juden Europas.

Von Joachim Heinz (KNA )


Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Photo: iStock

Am 20. Januar 1942 betrug die Mittagstemperatur in Berlin gerade einmal minus 12 Grad. Was sich vor 80 Jahren in einer Villa am Wannsee abspielte, lässt einem allerdings auch heute noch das Blut in den Adern gefrieren. In eiskalter Bürokratensprache hielten da 15 Männer fest, wie sie für das nationalsozialistische Regime die europäische Judenfrage zu lösen gedachten. Technisch handelte es sich um eine der üblichen Staatssekretärkonferenzen, die an die Stelle der von Hitler unterbundenen Kabinettssitzungen traten, schreibt der Historiker Hans Mommsen. Ungewöhnlich war insbesondere, wie offen die Ergebnisse des Treffens festgehalten wurden. Mommsens Kollege Peter Longerich bezeichnet das Protokoll der Wannseekonferenz, von dem lediglich ein einziges Exemplar erhalten ist, deswegen als Ausnahme. In kaum verklausulierter Form sei über einen Gesamtplan zur europäischen Judenfrage diskutiert worden. Und zwar in einer Art und Weise, die deutlich macht, dass dieses Jahrhundertverbrechen über SS, Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst hinaus aktiv durch Reichskanzlei, Justiz, Innenministerium, Auswärtiges Amt, zivile Besatzungsbehörden, Vierjahresplan (also die oberste Instanz der Rüstung) sowie Partei mitgetragen und mitverantwortet wurde.

Eingeladen hatte der Chef des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich. Der machtbewusste Karrierist stand unter nicht unerheblichem Druck. Bereits im Sommer 1941 hatte ihn Reichsmarschall Hermann Göring beauftragt, einen Plan zur Gesamtlösung der Judenfrage in Europa vorzulegen. Zeitgleich drückte unter anderen der Reichsführer SS Heinrich Himmler aufs Tempo. Hinzu kamen weitere Faktoren, die spätestens ab Herbst 1941 zu einer massiven Radikalisierung der NS-Judenpolitik beitrugen. Darunter fielen die beginnenden Deportationen von deutschen Juden ebenso wie die von Longerich unter dem Begriff regionale 'Endlösungen' zusammengefassten Mordaktionen mithilfe von Gas. Passend zu alledem machte Heydrich die Anwesenden einleitend darauf aufmerksam, dass die Federführung in dieser Angelegenheit ohne Rücksicht auf geographische Grenzen und zentral bei ihm selbst liege.

Deckblatt der Akte „Endlösung der Judenfrage 1939 bis 1943, Inland IIg“ des Auswärtigen Amtes

Sein eigentlicher Plan findet sich ab Seite 7 des Wannsee-Protokolls. Einen Sieg über die Sowjetunion voraussetzend, schwebte Heydrich vor, den Großteil der von den Behörden erfassten rund elf Millionen europäischen Juden als Zwangsarbeiter straßenbauend in den Osten zu führen, wobei zweifellos ein Großteil durch „natürliche Verminderung“ ausfallen wird. Der verbleibende Restbestand müsse „entsprechend behandelt werden“. Das hieß im Klartext nichts anderes, als sämtliche Juden in einem wohl noch nicht bestimmten Zeitraum physisch auszulöschen, wie Experte Longerich schreibt. Die Wirklichkeit überbot die auf der Wannsee-Konferenz erörterten Pläne noch einmal an Grausamkeit. Bereits ein knappes halbes Jahr später ging die SS auf Betreiben Himmlers dazu über, ungeachtet des Kriegsverlaufs und in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Juden zu ermorden. Heydrich war zudem Anfang Juni 1942 an den Folgen eines Attentats gestorben, was Anlass zu der als Vergeltungsoperation deklarierten Aktion Reinhardt bildete. Was nun massenhaft geschah, schilderte SS-Obersturmführer Kurt Gerstein am Beispiel des Vernichtungslagers Belzec: „Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge, Beinamputierte, alle nackt, vollkommen nackt, gehen an uns vorüber. In einer Ecke steht ein launenhafter SS-Mann, der diesen Armen mit salbungsvoller Stimme erklärt: Nicht das geringste wird euch passieren. Die wehrlosen Opfer zogen weiter in die Kammern - in die dann Motorgas geleitet wurde. Nach 32 Minuten endlich ist alles tot.“

Wie Basaltsäulen standen die Ermordeten Gerstein zufolge in den überfüllten Kammern. Selbst im Tode erkennt man noch die Familien, die sich noch die Hand drücken. Die Wannsee-Konferenz war insofern nur eine, wenn auch keineswegs unwichtige Etappe auf dem Weg zum Holocaust - an dessen Ende rund sechs Millionen ermordete Juden standen.

Mehr Informationen:

 

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Umfrage: Deutsche vertrauen vor allem Ärzten und Polizei

(KNA)

Bild: Pixabay

Die Deutschen haben laut einer Umfrage vor allem Vertrauen in Ärzte, Polizei und Universitäten. Generell ist das Vertrauen in gesellschaftliche und politische Institutionen jedoch gesunken, wie das Trendbarometer von RTL und ntv ergibt.

Für die Untersuchung befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 4.038 Personen vom 15. bis 23. Dezember. 87 Prozent der Befragten vertrauen laut Umfrage Ärzten. Die Berufsgruppe ist damit der Spitzenreiter und hat im Vergleich zum Vorjahr noch zwei Prozentpunkte dazugewonnen. Je einen Prozentpunkt verloren haben Polizei und Universitäten. Trotzdem liegen sie auf Platz zwei: Ihnen vertrauen immer noch 79 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger. Um je fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist das Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht (73 Prozent), weitere Gerichte (68 Prozent) sowie in Radio (55 Prozent) und Fernsehen (32 Prozent), wie es hieß. Einen Zuwachs um vier Prozentpunkte konnte hingegen die Bundeswehr verzeichnen. Ihr vertrauen 54 Prozent.

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Meldungen aus Kirche und Welt

Hilfsorganisationen: Dramatische Lage in Afghanistan

(KNA)

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Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, hat eindringlich an die internationale Gemeinschaft appelliert, den notleidenden Menschen in Afghanistan zu helfen. Die Lage sei dramatisch, Menschen verkauften ihre Kinder, um zu überleben, sagte Mogge im Deutschlandfunk. Seit der Machtübernahme der Taliban im August sei die Wirtschaft im freien Fall, erläuterte der Agraringenieur. Das Bankensystem sei zusammengebrochen, kaum jemand habe Arbeit und mehr als die Hälfte der Menschen litten an Hunger. Hinzu kämen die Kälte und die Dürre. Die Taliban-Regierung könne das Volk nicht ernähren. Deshalb sei die internationale Gemeinschaft nun gefordert, damit das Überleben von bis zu 30 Millionen Menschen gesichert werde, betonte Mogge.

Die Vereinten Nationen bezifferten den Finanzbedarf für Afghanistan und die Nachbarländer mit afghanischen Flüchtlingen für dieses Jahr auf mindestens 4,5 Milliarden Euro. UN-Nothilfekoordinator Martin Griths berichtete, es zeichne sich eine riesige humanitäre Katastrophe ab. Für humanitäre Hilfe in Afghanistan selbst brauchen die Vereinten Nationen rund 3,9 Milliarden Euro. Damit sollen 22 Millionen Menschen unterstützt werden. Es geht um Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsdienste, Notunterkünfte, die Agrar-Unterstützung für Bauern sowie eine Versorgung mit sauberem Wasser und Schulen. Zudem sollen 5,7 Millionen afghanische Flüchtlinge sowie ihre Gastgeber in fünf Nachbarländern unterstützt werden. Dazu gehören der Iran und Pakistan. Dafür sind den Angaben zufolge 550 Millionen Euro nötig. Es handelt sich laut UN um den größten je lancierten Aufruf für humanitäre Hilfe.

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Meldungen aus Kirche und Welt

UN stellt Nothilfeplan für 2022 vor - Bedarfe steigen weiter

(KNA)

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Die Vereinten Nationen haben am Donnerstag ihren Bedarfsplan für humanitäre Hilfen im kommenden Jahr vorgestellt. So werden in 2022 rund 274 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe und Schutz angewiesen sein, was einem Anstieg von knapp 40 Millionen im Vergleich zum Vorjahr entspreche, heißt es in dem Bericht des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Die UN hat demnach das Ziel, im kommenden Jahr den 183 Millionen am stärksten bedürftigen Menschen beizustehen. Dafür sind laut Bericht rund 41 Milliarden US-Doller nötig. Mit 4,5 Milliarden US-Dollar liege der höchste Bedarf voraussichtlich in Afghanistan, wo mehr als 22 Millionen Menschen unterstützt werden müssten. Durch die Covid19-Pandemie und Dürren sei die humanitäre Situation in dem Land zuletzt ohnehin schon kritisch gewesen. Durch die Machtübernahme der Taliban im August und dem damit wieder aufbrechenden Konflikt werde sie sich absehbar weiter verschlechtern, so der UN-Bericht. OCHA erstellt im Vorfeld jedes Jahres einen Finanzplan für humanitäre Hilfen. Der Bedarf soll von UN-Mitgliedsstaaten, Institutionen und anderen Gebern gedeckt werden. Die EU hat demnach für das kommende Jahr 11 Milliarden Euro als Unterstützung zugesagt. Im laufenden Jahr konnte nach UN-Angaben 107 von den ursprünglich anvisierten 153 Millionen Menschen geholfen werden. Mehr Infos: Gesamtbericht und Berichte zu einzelnen Ländern https://gho.unocha.org/

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Studie: Jedes sechste Kind weltweit wächst in Konfliktgebiet auf

KNA

Jedes sechste Kind weltweit wächst laut einem aktuellen Report in einem Konfliktgebiet auf. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichtem Bericht Krieg gegen Kinder: Rekrutierung im Fokus von Save the Children hervor. Die gemeinsam mit dem Peace Research Institute Oslo (PRIO) erarbeitete Studie sei die bisher umfassendste Datenhochrechnung, so das Hilfswerk.

Demnach lebten 2020 rund 452 Millionen Mädchen und Jungen und damit jedes sechste Kind in einem Konfliktgebiet. 193 Millionen Kinder wuchsen unter gefährlichsten Lebensumständen auf - das ist den Angaben zufolge die höchste Zahl innerhalb der vergangenen zehn Jahre.

Der starke Anstieg sei auf Gewaltausbrüche in Mosambik sowie auf anhaltende oder verschärfte Konflikte in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und im Jemen zurückzuführen - alles Länder, die zugleich bereits mit schweren Auswirkungen des Klimawandels und wachsenden Hungerkrisen zu kämpfen haben, so der Bericht.

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Vor 75 Jahren: New York wird Sitz der Vereinten Nationen

„Parlament der Menschheit“ oder „Wasserkopf am East River?“ - Die Kritik an politischen Organisationen auf Weltebene ist so alt wie die Idee, sie überhaupt zu schaffen. Papiertiger seien sie, ineffzient und uneins. Doch wo sind die Alternativen zum New Yorker UNO-Hauptquartier?

Von Alexander Brüggemann (KNA)

Es ist das Symbol der Vereinten Nationen schlechthin - neben ihrer blauen Flagge mit Erdkugel und Olivenzweigen: das 1949 begonnene und 1951 vollendete UNO-Hauptquartier am New Yorker East River. Der US-Milliardär John D. Rockefeller lieferte dafür das sieben Hektar große Grundstück eines ehemaligen Schlachthofes, die Stararchitekten Le Corbusier und Oscar Niemeyer die Architektur. Dass aber New York damit quasi auch politisch die Hauptstadt der Welt werden sollte, war in der ganz frühen Phase nach dem Weltkrieg noch gar nicht ausgemacht. Als im Juni 1945 - in San Francisco - 50 Gründungsnationen die Charta der Vereinten Nationen unterzeichneten, war der Zweite Weltkrieg im Pazifik noch gar nicht beendet - und die Vorgängerorganisation, der Völkerbund in Genf (1920-1946), noch gar nicht aufgelöst.

Dessen Ziele waren gewesen, zwischenstaatliche Konflikte durch Schiedsgerichte beizulegen und Abrüstung und kollektive Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem erschütternden Ersten Weltkrieg mit seinem Giftgas, seinen Abnutzungsschlachten und 17 Millionen Toten wollte die internationale Gemeinschaft 1918/19 ein Zeichen setzen: Nie mehr so ein Blutbad! Keine 20 Jahre später begann der Zweite Weltkrieg - mit diesmal 60 Millionen Toten. Diesem neuerlichen, noch größeren moralischen Bankrott folgte nun also der Neubeginn in den Vereinten Nationen - und im beginnenden sogenannten Kalten Krieg zwischen Ostblock und Westen und ihren jeweiligen, oft postkolonialen Satellitenstaaten.

Der UN-Hauptsitz befand sich zunächst in London; dort fand am 10. Januar 1946 auch die erste Vollversammlung statt, bei der UN-Wirtschafts- und Sozialrat eingerichtet wurde. Bald darauf folgte die Menschenrechtskommission, der Weltsicherheitsrat und das Sekretariat der UNO. Am 18. April nahm das wichtigste Rechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen die Arbeit auf: der Internationale Gerichtshof (IGH). In New York fand dann im Sommer der erste Weltgesundheitsgipfel statt.

Und im Dezember 1946, vor 75 Jahren, beschloss die Vollversammlung, ihren ständigen Sitz und den des Sekretariates in New York zu nehmen. Neben dem Hauptquartier sind weitere offizielle Amtssitze in Wien, Genf und Nairobi.

Sein Ziel „Nie wieder Krieg“ hat die Völkergemeinschaft bislang zu keinem Zeitpunkt erreicht - und die UNO hat mit ihren Blauhelm-Friedenssoldaten mehr als einmal eine eher klägliche Rolle gespielt; am augenfälligsten bei den Massakern in Ruanda 1994 und im bosnischen Srebrenica 1995. Doch angesichts all der Hunger- und Flüchtlingskrisen, von Klimawandel, regionaler Konflikte, Seuchen und Epidemien: Wer hätte Ende 2021 - bei allen Defiziten der bestehenden Strukturen - bessere Vorschläge zur Bewältigung globaler Probleme als ein zumindest möglichst großes Einvernehmen ihrer 193 Mitgliedstaaten?

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Bischöfe bitten um Unterstützung der Adveniat-Weihnachtsaktion

KNA

Foto: ADV, Hans-Maximo Musielik

Die deutschen Bischöfe rufen am dritten Adventssonntag (12. Dezember) zur Unterstützung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion auf. Unter dem Motto „ÜberLeben in der Stadt“ rückt das Lateinamerika-Hilfswerk die Sorgen und Nöte der armen Stadtbevölkerung in den Blick.

Adveniatbischof Dr. Franz Josef Overbeck
Foto: ADV, Achim Pohl

Infolge der Corona-Pandemie sei Lateinamerika auf die Weltkarte des Hungers zurückgekehrt, wie Adveniat am Montag in Essen mitteilte. Insbesondere in den Städten sei die Zahl der Menschen, die in Armut leben, extrem gestiegen.

Die Bischöfe bitten deshalb in ihrem Aufruf, der in allen Gottesdiensten verlesen wird, um eine großzügige Spende bei der Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember für das Hilfswerk. Wenn aufgrund der Corona Situation die Gottesdienste an Weihnachten nicht wie gewohnt in der Kirche in Präsenzform stattfinden können, sei eine Beteiligung jederzeit online möglich.

Lateinamerika ist die am härtesten von der Corona-Pandemie betroffene Weltregion. Vor allem die Situation der Armen hat sich verschlechtert, viele erleiden große Not, schreiben die Bischöfe. Die kirchlichen Partner vor Ort seien ein Zeichen der Hoffnung. Sie stellten sich dem wachsenden Elend entgegen: „Sie lindern akute Not, schenken Kranken und Trauernden Beistand, schaffen Existenzgrundlagen und kümmern sich um die Schwächsten: Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien.“

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Meldungen aus Kirche und Welt

Helfer sehen Gesundheitssystem in Afghanistan am Abgrund

KNA

Das Gesundheitssystem in Afghanistan steht nach Einschätzung der Hilfsorganisation Save the Children am Abgrund.

Schon vor den politischen Unruhen war Afghanistan einer der gefährlichsten Orte, um ein Kind zu gebären oder ein Kind zu sein. Was es jetzt bedeutet, ist kaum vorstellbar, sagte der amtierende Landesdirektor von Save the Children in Afghanistan, Thomas Howells, am Dienstag. Die internationalen Geber müssten dafür sorgen, dass Neugeborene, Kinder und Mütter wieder Hilfe erhalten könnten. Seit der Machtübernahme der Taliban vor 100 Tagen seien internationale Zahlungen gestrichen worden, so die Helfer. Diese Einschnitte hätten zu einem Mangel an medizinischem Personal, reduzierten Leistungen und einem schwindenden Angebot an Medikamenten geführt.

Frauen seien vielfach dazu gezwungen, zu Hause zu entbinden, mit wenig oder gar keiner medizinischen Betreuung. Dies gefährde das Leben der Frauen und ihrer Babys, mahnte Howells. Die Zahl der Geburten bleibe in dem krisengeschüttelten Land konstant. Babys, die in den vergangenen 100 Tagen geboren wurden, seien jedoch sehr schwach. Es sei lebenswichtig, dass Mütter und Kinder eine ausreichende Gesundheitsversorgung erhalten: Kein Kind, keine Mutter sollte an vermeidbaren Ursachen sterben müssen. Die Hilfsorganisation setzt nach eigenen Angaben mobile Gesundheitsteams ein, um den am stärksten gefährdeten Kindern sowie Schwangeren und stillenden Müttern eine medizinische Grundversorgung anzubieten.

Howells warnte auch vor einer drohenden Hungerkrise in dem Land: Neugeborene und stillende Mütter seien in diesem Winter einem erhöhten Risiko ausgesetzt, an Unterernährung zu sterben.

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UN-Bericht: Zahl der Binnenvertriebenen erreicht Höchststand


Von Burkhard Jürgens KNA

Quelle: iStock

Die Zahl der Binnenvertriebenen ist ungeachtet der Reisebeschränkungen durch die Pandemie dramatisch gestiegen. Laut dem am Mittwoch vorgelegen World Migration Report der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mussten im Jahr 2020 weltweit 40,5 Millionen Menschen aufgrund von Katastrophen, Konflikten und Gewalt ihre Heimat verlassen, 9 Millionen mehr als im Vorjahr. Dabei war nach Ausbruch des Corona-Virus die Zahl der Reisenden global um 60 Prozent eingebrochen - von 4,6 Milliarden auf 1,8 Milliarden. Der Generaldirektor der UN-Organisation, Antonio Vitorino, sprach von einem nie zuvor in der Menschheitsgeschichte gesehenen Paradox. Während Milliarden Menschen wegen Covid-19 festgesessen hätten, seien Dutzende Millionen zwangsweise von zuhause vertrieben worden.

Der 540-seitige Bericht untersucht anhand von Daten und Analysen die Veränderungen von Mobilität und Migration unter dem Einfluss der Corona-Krise in den vergangenen zwei Jahren. Laut dem Report gab es Ende 2020 weltweit 281 Millionen internationale Migranten. Obgleich dies fast dreieinhalb Mal soviel waren wie 50 Jahre zuvor (84 Millionen), erhöhte sich ihr Anteil an der Weltbevölkerung in diesem Zeitraum nur von 2,4 auf 3,6 Prozent - 96,4 Prozent aller Menschen lebten vergangenes Jahr in dem Land, in dem sie geboren wurden.

Von den 40,5 Millionen neuen Binnenvertriebenen 2020 mussten sich mehr als drei Viertel (30,7 Millionen) aufgrund von Naturkatastrophen auf die Flucht begeben, allein 5,1 Millionen auf den Philippinen. In knapp einem Viertel der Fälle (9,8 Millionen) waren Konflikte und Gewalt die Ursache. Die meisten Betroffenen zählten die Demokratische Republik Kongo (2,2 Millionen) und Syrien (1,8 Millionen), gefolgt von Äthiopien (1,7 Millionen), Mosambik (0,6 Millionen) und Burkina Faso (0,5 Millionen). Durch die Ereignisse in Afghanistan wird der jetzige Höchststand neuer Vertreibungen nach Einschätzung des Berichts noch übertroffen werden. Insgesamt lebten Ende 2020 nach Schätzungen des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC), die der Report zitiert, weltweit 55 Millionen Menschen als Binnenvertriebene, davon 48 Millionen aufgrund von Konflikten und Gewalt, 7 Millionen aufgrund von Naturkatastrophen.

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Neues Strafrecht der kath. Kirche - Warum Strafen auch etwas mit Seelsorge zu tun hat

Anfang Juni wurde das neue Strafrecht der katholischen Kirche vorgestellt; am Mittwoch tritt es in Kraft. Es ist Kirchenoberen dann nicht mehr freigestellt, ob sie bei erwiesener Schuld bestrafen. Sie müssen es.


Von Roland Juchem KNA

Kirchliche Strafdisziplin ist untrennbar mit der Seelsorge verbunden: Von Franziskus, dem „Papst der Barmherzigkeit“, hätte man eine solche Aussage nicht gerade erwartet. Aber so sagt er es in seiner Konstitution „Pascite gregem die“ (Weidet Gottes Herde), mit der er Anfang Juni das allgemeine kirchliche Strafrecht reformierte.

Am Mittwoch (8. Dezember 2021) tritt die Reform in Kraft. Nach einer langen Zeit strafender Bevormundung war in der jüngeren Kirchengeschichte das Pendel kirchlicher Aufsicht und Rechtsprechung oft zu weit in Richtung Barmherzigkeit, ja Nachlässigkeit und Wegschauen ausgeschlagen. Schmerzlich bewusst machte das der Missbrauchsskandal. Die neue Milde hatte sich auch im neuen Kirchengesetzbuch niedergeschlagen, dem 1983 veröffentlichten Codex Iuris Canonici (CIC). Schnell aber zeigte sich: Die Strafdisziplin entsprach nicht den Erwartungen. Die Texte seien vielfach zu unbestimmt gewesen, räumte Juan Arrieta, Sekretär im Päpstlichen Rat für Gesetzestexte, Anfang Juni bei der Vorstellung der Reform des VI. Buches im CIC ein. Künftig werden vor allem Missbrauch, Verletzung der Aufsichtspflicht und finanzielle Vergehen stärker bestraft. Sanktionen sind detaillierter formuliert. Kirchenoberen ist nicht mehr freigestellt, ob sie bei erwiesener Schuld bestrafen oder nicht. Unverständnis für den Zusammenhang zwischen Liebe und Strafdisziplin in der Kirche habe in der Vergangenheit viel Schaden verursacht, schrieb der Papst Anfang Juni. Seither hatten Bischöfe, Ordensobere, Bischofskonferenzen und Experten Zeit, sich mit den Neuerungen vertraut zu machen. Bereits 2009 hatte Benedikt XVI. die Reform in Auftrag gegeben. Entstanden war der Reformdruck vor allem durch den Missbrauchsskandal.

Mit der Rubrizierung von sexuellem Missbrauch als „Straftat gegen Leben, Würde und Freiheit des Menschen“ - ähnlich wie Mord oder Vergewaltigung - will der Gesetzgeber die Schwere des Vergehens angemessener benennen. Konkret genannt werden zudem Besitz und Verbreitung von Pornografie von Minderjährigen sowie der Missbrauch von Amtsautorität bei sexuellen Vergehen auch gegen volljährige Untergebene. Ausdrücklich gilt das nun auch für Laien im Kirchendienst.

Doch die besten Gesetze nützen nichts, wenn sie nicht angewandt werden, betont der Psychologe und Safeguarding-Experte Hans Zollner immer wieder. Der erneuerte Kodex bestimmt daher: „Wer Urteile oder Strafdekrete nicht ausführt oder Strafanzeigen nicht wie vorgesehen weitergibt, muss bestraft werden“.

Bisherige Reaktionen auf die Reform seien durchgehend sehr positiv, sagt Markus Graulich. Die größte Schwierigkeit sei vermutlich der dafür nötige Mentalitätswandel, so der Kirchenjurist. Man müsse verstehen lernen, dass das Strafrecht, wie Franziskus schrieb, eben auch ein Mittel der Pastoral ist.

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Was mit der neuen Regierung auf die Kirchen zukommen könnte

Kirchen an der Ampel Staatsleistungen, Abtreibung, Sterbehilfe und kirchliches Arbeitsrecht - gleich mehrere strittige Themen könnten unter der neuen Regierung neu diskutiert werden. Die Kirchen müssen ihre Positionen dabei gut begründen.


Von Christoph Scholz KNA

Die Ampel ist für die Kirchen umgesprungen: Im Vergleich zur Vorgängerregierung in Teilen der Gesellschaftspolitik auf rot, und in Teilen der Migrations-, Klima- und Sozialpolitik eher auf grün. Bei personellen und inhaltlichen Anknüpfungspunkten könnte man, um im Bild zu bleiben, von gelb sprechen. Dass sich eine Koalition von SPD, Grünen und FDP gerade in Kernfragen wie der Familienpolitik und dem Lebensschutz deutlich von Position der Kirche entfernen würde, war dabei absehbar.

Union und SPD würdigten die Kirchen und Religionsgemeinschaften im Koalitionsvertrag von 2018 noch querschnittsmäßig als wichtigen Teil unserer Zivilgesellschaft und Partner des Staates sowie als wichtige Stützen im Bildungs- und Sozialwesen mit Kindertageseinrichtungen und Schulen, mit Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Sie beriefen sich unter dem Thema Zusammenhalt auf die christliche Prägung unseres Landes als Basis. Für sie vermittelten Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften Identität und Werte.

Im neuen Koalitionsvertrag werden Kirchen und Religionsgemeinschaften im Kapitel zu innenpolitischen Themen zwischen SED-Opfern und Unternehmensrecht rubriziert. Immerhin bleibt der Ton wertschätzend: Kirchen und Religionsgemeinschaften sind ein wichtiger Teil unseres Gemeinwesens und leisten einen wertvollen Beitrag für das Zusammenleben und die Wertevermittlung in der Gesellschaft. Wir schätzen und achten ihr Wirken.

Der Relativierung der gesellschaftlichen Bedeutung entspricht, dass die Religionsfreiheit beim Querschnittsthema Menschenrechte keine eigene Erwähnung mehr findet und ein Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit nicht mehr vorkommt.

Am bislang gültigen Religionsverfassungsrecht im Sinne des kooperativen Trennungsmodells halten SPD, Grüne und FDP ausdrücklich fest und betonen Dialogbereitschaft etwa beim Vorhaben, die Staatsleistungen an die Kirchen abzulösen. Wir schaffen in einem Grundsätzegesetz im Dialog mit den Ländern und den Kirchen einen fairen Rahmen für die Ablösung der Staatsleistungen, heißt es in dem Vertrag. Die Kirchen zeigten sich bereits seit längerem in dieser Frage abwartend offen. Es geht um gut 500 Millionen Euro jährlich, die die Kirchen bis heute von den Ländern erhalten. Es sind Ausgleichszahlungen für die Enteignung von Kirchenbesitz während der Säkularisierung. Schon die Weimarer Verfassung forderte eine Ablösung. Dass dies bis heute ausblieb, zeigt, wie schwierig die Umsetzung dieses Projekts ist.

Problematischer dürfte die von SPD, FDP und Grünen angestrebte Reform (oder Abschaffung) des kirchlichen Arbeitsrechts sein, die man ebenfalls gemeinsam mit den Kirchen prüfen will. Verkündungsnahe Tätigkeiten sollen ausgenommen bleiben.

Ferner will sich die Ampel-Koalition stärker um die Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt kümmern und hat dabei neben anderen Gruppen auch die Kirchen im Blick. Dazu will sie die Aufarbeitung begleiten, aktiv fördern und wenn erforderlich gesetzliche Grundlagen schaffen. Was das genau heißt, ist noch offen.

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Adventsgedanken

Bischof Meier an Gläubige: Lasst euch in die Wüste schicken


(KNA)

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat die Gläubigen dazu aufgerufen, in ihrem Leben Platz für Wüstenzeiten zu schaffen. Meier schreibt in einem Hirtenbrief zum Ende des Kirchenjahres am Hochfest Christkönig, die wichtigen Dinge gingen nicht virtuell, sie passierten analog: Dazu gehören Glaube, Hoffnung und Liebe.

Damit diese drei in uns wachsen können, brauchen wir Wüstenzeiten: Tage und Wochen(enden) ohne Handy, Computer und andere Medien. Regelmäßige Wüstentage brächten ans Licht, wie es um das Christsein und die Kirche stehe, so der Bischof weiter. Daher mein Rat: Lasst Euch in die Wüste schicken! Meier erinnert an Jesus, der nach seiner Taufe in die Wüste gegangen sei und sich dort vom Heiligen Geist im Sinne eines spirituellen Navigationssystems 40 Tage lang habe umherführen lassen. Jesus habe sich der Wüste gestellt. Der Sohn Gottes und König des Himmelreichs will nicht sich selbst in den Mittelpunkt rücken, sondern Gott allein die Ehre geben, 40 Tage in der Wüste lernen für seine Hingabe bis zum Tod am Kreuz. Die Wüste sei ein Ort der Klärung, ein Raum, wo Gott zur Sprache komme. Sie stelle vieles - auch sicher geglaubte und überlieferte Sätze - infrage. Doch in der Schule der Wüste geht es weniger um Wissensinhalte, sondern vielmehr um Lebensweisheit. In der Wüste scheide Jesus die Geister, sodass eine Entscheidung im Heiligen Geist reifen könne, erklärt Meier. Unser kirchliches Handeln sollte ein Echo dieser Entscheidung sein. Welche Schlüsse haben wir aus dem Jahr der Barmherzigkeit (2015/16) gezogen, das Papst Franziskus ein Herzensanliegen war? Barmherzigkeit sollte zum Lebensstil der Kirche werden. Eine barmherzige Kirche muss Meier zufolge mehr bieten als die Einladung zur Beichte, den Barmherzigkeitsrosenkranz und den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. Erbarmen gehört zur DNA der Kirche, da Gottes Name selbst Barmherzigkeit ist.

Der Bischof ergänzt an die Gläubigen gerichtet: Ihr seid keine Sündenböcke, die man in die Wüste treibt. Ich sehe es anders: Die Wüste ist kein 'toter Punkt'. Im Gegenteil: Die Wüste lebt. Die Wüste verwandelt. Es kommt der Tag, an dem die Wüste neu erblüht. Brechen wir - wie Jesus - in die Wüste auf, danach folgt der Durchbruch!

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Ur-Adventskranz mit 27 Kerzen im Hamburger Rathaus Hamburg


(KNA)

Alle Jahre wieder erinnert Hamburg an die Erfindung des Adventskranzes in der Hansestadt. Dazu wird im Rathaus ein Exemplar des sogenannten Wichern-Adventskranzes aufgestellt. Er trägt in diesem Jahr 27 Kerzen, wie die Stiftung Das Rauhe Haus am Montag mitteilte.

Der evangelische Theologe und Gründer der sozialen Stiftung Das Rauhe Haus, Johann Hinrich Wichern (1808-1881), erfand 1839 den Adventskranz, um Kindern das Warten auf das Weihnachtsfest zu erleichtern. Auf einem hölzernen Wagenrad befestigte er je eine Kerze für jeden Tag vom ersten Advent bis zum Heiligen Abend - weiße für die Sonntage und rote für die Werktage. In diesem Jahr entspricht das 27 Kerzen.

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